Aktuelle Arbeitszeit- Debatte: Was gilt und was könnte sich ändern?

Mehr Stunden pro Tag, aber nicht in der Woche: Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften diskutieren über den Plan, das Arbeitszeitgesetz zu erneuern. Worum es bei der Debatte geht, und was sich ändern könnte:

Steht unser (von den Gewerkschaften) hart erkämpfter Acht-Stunden-Tag auf der Kippe? Die Union wirbt für mehr Flexibilität im Arbeitszeitgesetz. Demnach soll die Wochenarbeitszeit nicht steigen, aber die Stunden sollen flexibler über die Woche verteilt werden können. Der offizielle Gesetzentwurf wird erst im Juni erwartet. Was das Gesetz aktuell vorsieht, warum die Regelung infrage gestellt wird und wie das bei Gewerkschaften, im Handwerk und in der Gastro ankommt. Ein Überblick.

Was gilt momentan im Arbeitszeitgesetz?

Wie viel in Deutschland gearbeitet werden darf, ist im Arbeitszeitgesetz festgelegt. Demnach gilt: Die Regel ist: acht Stunden am Tag. Maximal sind zehn Stunden erlaubt (z.B. im Schichtdienst). Außerdem stehen im Gesetz auch Vorgaben zu Pausen und Ruhezeiten: Zwischen zwei Arbeitseinsätzen müssen elf Stunden Zeit vergehen. In manchen Berufen gelten Sonderregelungen. Auf die Woche gerechnet sind 48 Stunden erlaubt. Das schreibt die Europäische Arbeitszeitrichtlinie vor.

Was fordern Union und SPD?

Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, die tägliche Arbeitszeit durch eine wöchentliche Regelung zu ersetzen. Im Januar drängte die CSU, ein Gesetz noch dieses Jahr auf den Weg zu bringen. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) kündigte nun an: "Der Entwurf wird im Juni kommen." Gemeinsam mit der Reform der Arbeitszeiten hat Bas außerdem angekündigt, die elektronische Arbeitszeiterfassung zu regeln.

Wie kommen die Pläne z.B. im Handwerk an?

Hans Schiwietz, Fliesenbauer aus Erding, sagt Folgendes: Immer wieder ist sein Team auf Baustellen unterwegs und nach Ablauf der acht Stunden fehlt nicht mehr viel, um den Auftrag abzuschließen. "Wir versuchen, das dann fertig zu machen", sagt er, statt am nächsten Tag noch einmal rauszufahren.

Laut einer Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung [externer Link] im Juli 2025 sehen Beschäftigte das anders: Rund drei Viertel der 2.000 Befragten fürchten vor allem Auswirkungen auf Zeit mit der Familie, sollten die Arbeitstage länger werden.

Was könnte sich für Beschäftigte ändern?

Unter Berücksichtigung der elf Stunden Ruhezeit innerhalb einer 24-Stunden-Periode könnte ein Arbeitstag dann 13 Stunden lang werden. Davor warnen die Gewerkschaften. Die EU-Richtlinie gilt jedoch weiterhin: nicht mehr als 48 Stunden die Woche. Die Höchstarbeitszeit ist also auch künftig begrenzt.

"Überstunden und Dienstplanänderungen sind bereits jetzt Alltag", sagt Barbara Brendel. Sie ist Betriebsrätin bei der Hotelkette Steigenberger und Mitglied bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Sie warnt: "Wer stemmt 13-Stunden-Schichten, wenn zu Hause Eltern gepflegt oder Kinder betreut werden müssen?"

Warum wird der Acht-Stunden-Tag überhaupt infrage gestellt?

"Das ist ein wichtiger Hebel, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, unsere Wirtschaftskraft zu stärken und Wachstum zu generieren", sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft gegenüber BR24.

Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, hält dagegen: Das Gesetz bietet bereits Flexibilität in Branchen, in denen mehr Arbeitsstunden am Tag nötig sind. "Wir organisieren das mit unseren Tarifverträgen tausendfach." Sie befürchtet, dass eine Ausweitung der täglichen Arbeitszeit zugunsten des Arbeitsgebers geht: "Das bringt überhaupt keine Produktivität, kein Wachstum, keine Innovation, sondern das macht Arbeit ungesünder."

Quelle: Bayern3 Update am 29.05.2026

Kurzfakten

Zielgruppen

  • Betriebsratsmitglieder
  • Personalratsmitglieder
  • Interessierte
  • ver.di – Mitglieder: Mitglieder in Tarifkommissionen
  • Funktionär*innen
  • betrieblich Aktive

Kategorie

Betriebsräte und Personalräte

Freistellung nach

  • § 37 Abs. 6 BetrVG
  • § 46 Abs​. 1 ThürPersVG
  • § 54 Abs.1 BPersVG